Wenn man die Gebetswaschung vollzieht und dabei einige Stellen vergisst

Frage:  Was ist das Urteil über eine Person, die die Gebetswaschung vollzieht und dabei einige Stellen vergisst?

Antwort: Wenn jemand nach der Gebetswaschung merkt/einfällt, dass er eine Körperstellte (die gewaschen werden muss), vergessen hat und dies nicht so lange her ist (d.h. kurze Zeit darauf), so wäscht er dies (d.h. die Stelle) und was daraufhin (an anderen Stellen folgt). Beispiel: Jemand macht Wudu und vergisst dabei seinen linken Arm zu waschen. Nachdem er seine Füße gewaschen hat, fällt ihm ein, dass er seinen linken Arm nicht gewaschen hat. So sagen wir ihm: wasche deinen linken Arm, streiche (erneut) über deinen Kopf und wasche deine Füße (nochmal). Auf diese Weise wird die Reihenfolge des Wudu eingehalten, so wie es Allah auch befiehlt: {Wascht euer Gesicht und eure Hände bis zu den Ellenbogen und streicht über euren Kopf und (wascht) eure Füße bis zu den Knöcheln} [5:6]

Allerdings muss er seine Gebetswaschung (komplett) erneuern wenn eine längere Zeit verstrichen ist (zwischen dem verrichten des Wuduu und dem Bemerken der Ausgelassenen Stelle). Beispiel: Jemand hat vergessen seinen linken Arm zu waschen und nach einer langen Zeit fällt ihm ein, dass er es vergessen hat, so muss er seine Waschung (komplett) erneuern, da er die Bedingung des „direkten Waschen hintereinander“ nicht erfüllt. Denn es ist Notwendig die Stellen der Gebetswaschung hintereinander (ohne nennenswerten zeitlichen Abstand) zu waschen. Allerdings ist anzumerken, dass jemand seine Zweifel ignorieren sollte. Wenn sich jemand gegen Ende der Waschung nicht sicher ist, ob er seinen Mund ausgespült hat, so ignoriert er diesen Zweifel, fährt (mit der Waschung) fort und verrichtet sein Gebet. Es gibt (in diesem Fall) kein Hindernis für das Verrichten des Gebets.Bei einer ‘Ibadah (“Gottesdienst”) ignoriert man die Zweifel, die im Nachhinein auftreten. Ansonsten würden wir die Tür für Waswasa (Einflüsterungen vom Schaytan – Satan/Teufel) öffnen. Jeder würde an seiner ‘Ibadah zweifeln.

Die Tatsache, dass man seine Zweifel ignorieren muss und sich nicht damit beschäftigen muss, ist eine Barmherzigkeit Allahs. Wenn man sich bei der Waschung allerdings sicher ist, dass man eine Stelle vergessen hat, so muss man dies nachholen.

Und Allah weiß es am besten

Schaykh Ibn al-‚Uthaymin – Rahimahullaah – in Fataawa Arkaan al-Islaam #139

Säulen (Arkaan), Pflichten (Waajibaat) und Sunnan des Gebet

بسم الله الرحمن الرحيم

Frage (Nr. 65847 auf IslamQA.com/en):

Was sind die Sunnah-Handlungen des Gebets?

Antwort:
Alles Lob gebührt Allaah

Es gibt viele Sunnan (Pl. von Sunnah) im Gebet, Worte als auch Taten. Mit Sunnan sind Dinge gemeint, die weder die Säulen oder Pflichten des Gebets darstellen.

Einige Rechtsgelehrte (Fuqaha) haben 17 verbale Sunnan und 55 Sunna-Taten herausgefunden. Das Gebet wird nicht ungültig, wenn man eine dieser Sunnan weglässt (selbst wenn dies mit Absicht geschieht), im Gegensatz zu den Säulen und Pflichten des Gebets.
Der Unterschied zwischen einer Säule und einer Pflicht ist, dass eine Säule nicht weggelassen werden darf, ob dies nun absichtlich oder aus Versehen geschieht. Eine Pflicht kann im Falle des Vergessens durch eine Vergesslichkeitsniederwerfung (Sujud as-Sahw) wieder gutgemacht werden.

Im Folgenden werden die Säulen, die Pflichten und die Sunnan des Gebets genannt, basierend auf dem Buch “Dalil at-Talib“, welches eine bekannte Zusammenfassung der hanbalitischen Rechtsschule (Madhhab al-Hanabilah) ist.

Die 14 Säulen des Gebets sind folgende:

  • Das verpflichtende Stehen (al-Qiyaam) während der Pflichtgebete, wenn man dazu in der Lage ist.
  • Das eröffnende Takbir (“Allahu Akbar” sagen).
  • Das Rezitieren der al-Fatihah.
  • Die Beugen (Rukuu‘).
  • Das Sich-Erheben aus der Beugung.
  • Das aufrechte Stehen.
  • Die Niederwerfung (Sujuud).
  • Das Wieder-Hochkommen aus der Niederwerfung.
  • Das Sitzen zwischen den beiden Niederwerfungen.
  • Die lockere Haltung in jeder dieser Körperhaltungen (nicht verkrampfen).
  • Der letzte Taschahhud.
  • Das Sitzen im letzten Taschahud und das Rezitieren kombiniert mit den zwei Salams (Grüßen).
  • Die zwei Salaams (Grüße) “Äs-Sälämu ‘alaykum wa rahmätullah“, in den Freiwilligen-Gebeten (Nawafil), also in den zusätzlichen Gebeten sowie im Beerdigungsgebet (Janazah) reicht ein Gruß aus.
  • Das Verrichten der hier dargelegten Säulen (Beispiel: Jemand geht absichtlich in die Niederwerfung, bevor er die Beugung vollzogen hat. Dadurch ist das Gebet ungültig. Sollte es aber unabsichtlich passieren, so muss er noch einmal zu der Stelle des Gebets zurückkehren und sich dann niederwerfen. Siehe Unterlassung von Säulen im Gebet bzw. Unterlassung von Säulen im Gebet bzw. von al-Fatihah und Die Niederwerfung aufgrund der Vergesslichkeit (Sujud as-Sahw)).

Die 8 Pflichten des Gebets:

  • Weitere Takbiraat (zusätzlich zum Eröffnungs-Takbir).
  • ,,Sämi’ Allahu limän hamidäh” (Allah hört den, der Ihn preist) sagen (dies sagt sowohl der Imam als auch der, der allein betet).
  • ,,Rabbänä wä läkä-l-hamd” (unser Herr, Dir gebührt das Lob) sagen.
  • ,,Subhanä rabbiyä-l-’adhiem” (Ehre sei meinem Herrn, dem Allmächtigen) in der Beugung sprechen.
  • ,,Subhanä rabbiyä-l-a’ala” (Ehre sei meinem Herrn, dem Allerhöchsten) in der Niederwerfung.
  • ,,Rabbi-ghfir li” (mein Herr, vergib mir) zwischen den beiden Niederwerfungen sagen.
  • Der erste Taschahhud (Ät-Tahyyätulillaah….)
  • Das Sitzen im ersten Taschahhud.

Die 11 verbalen Sunnan:

  • Nach dem Eröffnungs-Takbir (Takbir al-Ihram): ,,Subhänäk Allahum-mä wä bi-Hamdikä, wä Täbärakä-s-mukä, wä ta’alä Dschädukä, wä lä ilähä Ghairuk“” sprechen (das bekannte Eröffnungs-Bittgebet: Du’a al-Istiftah).
  • Bei Allah Zuflucht suchen (,,Ä’udhu billähi minäsch-Schäytani-r-radschiem” sprechen).
  • Bismillah sagen.
  • Amin sagen.
  • Noch eine weitere Surah nach al-Fatihah rezitieren.
  • Das laute Rezitieren des Imam.
  • Nach dem Tahmid (das Sprechen von: Rabbänä wä läkä-l-hamd) ,,Mil’ä sämä-wäti wä mil’äl Ard wä mil’ä mä schi’tä min schäy-in ba’d” sagen (die korrektere Meinung ist, dass dies auch eine Sunnah für denjenigen ist, der in der Gemeinschaft betet).
  • Die Lobpreisung (Tasbih) in der Beugung mehr als einmal zu sagen; also 2, 3 oder mehrmals.
  • Die Lobpreisung in der Niederwerfung mehr als einmal zu sagen.
  • ,,Rabbi-ghfir li” mehr als einmal zwischen den beiden Verbeugungen zu sagen.
  • Das Aussprechen der Segenswünsche für den Propheten (sall-llahu ‘alaihi was-sallam) im letzten Taschahhud sowie das Bittgebet danach.

Die Sunnah-Handlungen (Körperhaltungen):

  • Die Hände beim Eröffnungs-Takbir heben.
  • Die Hände heben, wenn man in die Beugung (Rukuu‘) geht.
  • Die Hände heben, wenn man von der Beugung hochkommt.
  • Die Hände nach dem Heben aus der Beugung wieder nach unten fallen zu lassen.
  • Die rechte Hand über die linke zu legen.
  • Auf den Ort der Niederwerfung zu blicken.
  • Die Füße ein wenig auseinander zu stellen.
  • In der Beugung die gespreizten Finger auf die Knie legen und den Rücken gerade machen.
  • Die Körperteile in der Niederwerfung fest auf den Boden pressen (außer die Knie, dies gilt als unerwünscht (Makruh).
  • In der Niederwerfung die Ellenbogen nicht auf dem Boden aufkommen lassen, den Bauch nicht eng an die Oberschenkel pressen, die Knie auseinander halten, die Füße aufrecht lassen und die Hände mit gespreizten Fingern neben den Schultern lassen.
  • Zwischen den beiden Niederwerfungen, wie auch im ersten Taschahhud, auf dem linken Fuß sitzen, während der rechte Fuß, sowie seine Zehen, in Richtung der Qibla zeigen. Im zweiten Taschahhud mit dem linken Oberschenkel am Boden und mit beiden Füßen auf einer Seite (d. h. rechts) herausragend sitzen.
  • Die Hände zwischen den beiden Niederwerfungen sowie im Taschahhud mit geschlossenen Fingern auf die Oberschenkel legen. Im Taschahhud sollte der kleine Finger und der Ringfinger zusammengehalten werden, während mit dem Mittelfinger und dem Daumen ein Kreis gebildet wird und der Zeigefinger nach oben ausgestreckt ist, wenn man Allah gedenkt.
  • Sich bei den beiden Salaams nach rechts und nach links drehen.

Es gibt einige Meinungsunterschiede (Ikhtilaaf) unter den Rechtsgelehrten (Fuqaha) in Bezug auf einzelne Details. Was von dem einen als Pflicht angesehen wird, wird von den anderen wiederum als Sunna betrachtet. Dies wird im Einzelnen in den Rechts-Büchern (Fiqh-Bücher) diskutiert.

Und Allaah weiß es am besten

Das Urteil über das Vergessen der Surah al-Fatihah im Gebet – حكم نسيان قراءة الفاتحة في الصلاة

بسم الله الرحمن الرحيم

Das Lesen der Surah al-Fatihah ist eine Säule (Rukn) des Gebetes in jeder Gebetseinheit (Rak’aah) und stellt eine unvermeidliche Pflicht dar. Dies aufgrund der Aussage des Propheten – (sall-llaahu ‘alaihi was-sallam): ,,Es gibt kein Gebet für jemanden, der (darin) nicht (wenigstens) den eröffnenden Teil (Surah al-Fatihah) rezitiert” (Sahih al-Bukhari #714)

Derjenige, der diese Pflicht nicht erfüllt und al-Fatihah nicht liest, dessen Gebet ist ungültig. Auf die Frage, was zu tun ist, wenn das Lesen der al-Fatihah vergessen wurde oder die Pflicht des Rezitierens nicht bekannt war, gibt folgende Islamische Rechtsgutachten (Fatawa) der Gelehrten Auskunft.

Einige Fatawa zum Thema: Das Urteil über das Vergessen bzw. Unterlassen der Surah al-Fatihah im Gebet

Frage: Wenn zum Gebet aufgerufen wird (Iqamah) und während des Gebetes wird das Lesen der Fatihah vergessen in einer Gebetseinheit (Rak’aah) oder zwei (Rak’aatayn) und man folgt dem Imaam (d.h. man ist ein Ma’muum), ist dann mein Gebet korrekt oder nicht? Und ist es für mich erforderlich die „Eröffnende des Buches“ (al-Fatihah) zu lesen oder nicht? Und was sollte man in solch einer Situation tun?

Antwort: Wenn derjenige, der einem Vorbeter (Imaam) im Gebet folgt, dass Lesen der Fatihah vergisst oder er ist unwissend bzgl. dieser Pflicht oder er schließt sich dem Vorbeter erst dann an, wenn er sich in der Beugung (Rukuu’) befindet, so wird ihm unter diesen Umständen die  Gebetseinheiten (Rak’aah) zu geschrieben. Sein Gebet ist korrekt und er muss diese Gebetseinheit nicht wiederholen, denn er ist entschuldigt, aufgrund seiner Unwissenheit, Vergesslichkeit und dafür, dass er das Gebet in der Zeit des (senkrecht) Stehen (Qiyaam) nicht beiwohnen konnte. Und dies ist die Aussage von der Mehrheit der Gelehrten (Ahl al-‚Ilm oder ‚Ulamaa‘)

Imaam al-Bukhaari überlieferte in seinem Sahih-Werk von Abi Bakrah al-Thaqafiy, dass er den Propheten – (sall-llaahu ‘alaihi was-sallam) – erst bei der Verbeugung einiger Gebete erreichte. Er ging dabei allein in die Beugung hinter den Gebetsreihen und begab sich danach erst in die Gebetsreihe, woraufhin der Prophet – (sall-llaahu ‘alaihi was-sallam) – zu ihm sagte: ,,Möge Allaah deinen Eifer stärken, aber mach es nicht nochmal!“

Er ordnete ihm nicht an die Gebetseinheit (Rak’aah) nachzuholen, sondern verbot ihm die Beugung außerhalb der Gebetsreihe zu machen.

Und Allahs ist die Quelle des Erfolges.

Schaykh ‘Abd al-Aziz Ibn Baaz – Rahimahullaah – in Majmuu’ Fataawaa, Band 30.

Frage: Was ist das Urteil über das auslassen einer Rukn-Handlung (eine Handlung die eine Säule des Gebets ist), wie z.B. Surah al-Fatihah?

Antwort: Eine Person vergisst die Fatihah zu lesen und liest direkt eine andere Surah. (Erst) als sie im Ruku‘ ist, fällt ihr ein, die Fatihah vergessen zu haben. Sie (die Gelehrten) sagen, dass man in diesem Fall nicht zurückkehrt.

Die zweite Ansicht besagt, dass man zurückkehrt, solang man nicht bereits vier Rukn-Handlungen weiter ist.

Die dritte Ansicht ist die stärkste: Man kehrt zurück, solang man noch nicht mit der Qur’aan-Lesung der darauffolgenden Raka’ah (nicht Rukn) begonnen hat. Wenn man bereits mit der darauffolgenden Rak’ah begonnen hat, kann man die ausgelassene Rukn-Handlung (in dem Fall al-Fatihah) nicht mehr nachholen, sondern die darauffolgende Raka’ah ersetzt diejenige, in der die Rukn-Handlung ausgelassen worden ist. Am Ende vollzieht man die Sahw-Niederwerfung nach dem Salam.

Schaykh Muhammad al-Mukhtaar ash-Schinqiti in Scharh Zad al-Mustaqni‘ Band 2/5, Seite 374

Frage: Was ist das Urteil über das eigene Rezitieren des Qur’aans während des Gebetes hinter dem Vorbeter (Imaam)?

Antwort: Es ist für denjenigen, der ein Ma’muum ist verpflichtend, die Fatihah in den Pausen, die der Imaam in den lauten Gebeten (Jahri-Gebete: Fajr, Maghrib und ‘Ischa) und in den leisen Gebeten (Sirri-Gebete: ‘Asr, Dhuhur) macht, zu rezitieren, denn der Prophet – (sall-llaahu ‘alaihi was-sallam) –  sagte: „Es gibt kein Gebet für denjenigen, der die „Eröffnende des Buches“ (al-Fatihah) nicht rezitiert.“ (Überliefert von Abu Dawud und Imaam Ahmad)

Wenn der Imaam in den lauten Gebeten keine Pausen macht, muss derjenige der hinter ihm betet (Ma’muum), al-Fatihah lesen, während der Imaam den Qur’aan (nach al-Fatihah) rezitiert. Nach dem Lesen von al-Fatihah wird wieder dem Imaam zugehört. Der Prophet – (sall-llaahu ‘alaihi was-sallam) – sagte: „Habt ihr etwa hinter eurem Imaam rezitiert?“ Wir (die Gefährten) sagten: „Ja.“ Er – (sall-llaahu ‘alaihi was-sallam) – sagte: „Tut dies nicht außer mit der „Eröffnende des Buches“ (al-Fatihah), denn es gibt kein Gebet für denjenigen, der sie nicht rezitiert.“ (Abu Dawud und Ahmad)

Wenn der Ma’muum jedoch unwissend über dieses Urteil ist, vergisst al-Fatihah zu rezitieren oder sie nicht mehr rezitieren kann, weil er das Gebet erreichte als der Imaam bereits in der Verbeugung (Rukuu‚) war, so ist für ihn das Rezitieren von al-Fatihah nicht zu berücksichtigen, aufgrund des Hadith von Abi Bakrah al-Thaqafiy, der in Sahih al-Bukhaari aufgezeichnet ist.

Bei Allaah ist der Erfolg. Friede und Segen seien auf unserem Propheten Muhammad, seiner Familie und seinen Gefährten.

Fataawa al-Lajnah al-Da’imah, Frage # 17626 (Schaykh Fawzaan, Bin Baaz, Aal ash-Schaykh und Bakr Abu Zayd)

Frage: Was sollte derjenige tun, der hinter dem Imaam das Gemeinschaftsgebet verrichtet, und noch dabei ist al-Fatihah zu rezitieren, der Imaam aber bereits in die Beugung (Rukuu’) geht, obwohl al-Fatihah noch nicht vollständig von demjenigen rezitiert wurde?

Antwort: Alles Lob gebührt Allah

Die Person, die hinter dem Imaam betet, sollte mit dem Imaam in die Beugung gehen, sobald er dies tut, denn der Prophet – (sall-llaahu ‘alaihi was-sallam) – sagte: ,,Der Vorbeter (Imaam) ist nur dazu da, damit ihm gefolgt wird. Macht nichts anderes als er! Wenn er sich vorbeugt, dann beugt euch vor! Wenn er ‚Sami’a Allaahu liman hamidah’ sagt, dann sagt ‚Rabbanaa wa laka Al-Hamd’! Wenn er sich niederwirft, dann werfet euch nieder!“ (Sahih al-Bukhaari)

Die Person, die hinter dem Imaam betet, ist also entschuldigt, wenn sie in diesem Fall al-Fatihah nicht vollständig lesen konnte, um dem Imaam zu folgen.

Und Allaah weiß es am besten.

Schaykh Muhammad Salih al-Munajjid auf IslamQA # 2833

Frage: Was soll ich tun, wenn ich mir nicht sicher bin, ob ich Surah al-Fatihah gelesen habe?

Antwort: Da die Fatihah ein Rukn des Salah (Gebet) ist, sind manche Gelehrten der Ansicht, dass die absichtliche Hinzufügung einer Aussage, die Rukn ist (wie al-Fatihah), genauso zu behandeln ist wie die Hinzufügung einer Handlung, die Rukn (Säule) ist, und somit wird das Gebet ungültig. […]

Anders ist es jedoch, wenn man sich nicht sicher ist, ob man sie (al-Fatihah) gelesen hat: In diesem Fall muss man sie lesen, um sicher zu gehen, dass man diesen Rukn erfüllt hat, auch wenn sich hinterher herausstellen sollte, dass man die Fatihah in Wirklichkeit zweimal gelesen hat.

Schaykh Muhammad al-Mukhtaar asch-Schinqiti in Scharh Zad al-Mustaqni‘ Band 2/5, Seite 240 – 241

Zusammenfassung der Fatawa:

  • Surah al-Fatihah ist ein Säule (Rukn) des Gebetes und muss so behandelt werden wie die anderen Arkaan (Sing. Rukn) im Falle der Unterlassung bzw. der Auslassung durch Vergesslichkeit.
  • Die Fatihah sollte sowohl gelesen, wenn man alleine betet (Munfarid), hinter einem Imaam betet, d.h. im folgt (Ma’muum) oder wenn man selbst Vorbeter (Imaam) ist.
  • Derjenige, der die Fatihah vergisst und hinter dem Imaam betet ist entschuldigt, wenn er vergesslich oder unwissend bzgl. der Lesung al-Fatihah war und er muss keine Vergesslichkeits-Niederwerfung (Sujud as-Sahw) verrichten.
  • Die Rezitationspflicht der Fatihah entfällt für denjenigen, der sich erst während der Beugung dem Gebet anschließt.
  • Wenn man sich nicht im Klaren darüber ist, ob man Surah al-Fatihah gelesen hat oder nicht, so ist es erlaubt sie (erneut) zu lesen, auch wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass man die Fatiha zwei mal gelesen hat.
  • Sollte der Imaam mit dem Lesen der Fatihah fertig sein, bevor es bei einem selbst der Fall ist, und sich in die Beugung begeben, so sollte man ihm darin folgen.
  • Wenn man die Fatihah vergessen hat und einem dies z.B. in der Beugung einfällt, so kehrt man zurück, solange man noch nicht mit der Qur’aan-Rezitation des darauffolgenden Rak’aahs (nicht Rukn) begonnen hat. [Dies betrifft nur jene, die Vorbeter sind oder alleine beten! Beispiel: Man betet das ‘Asr-Gebet und vergisst bei Beginn al-Fatihah zu rezitieren. Dies fällt jedoch erst auf, während man schon in der Beugung oder Niederwerfung ist, so kehrt man sofort zum Stehen (Qiyaam) zurück und rezitiert al-Fatihah. Nach der Lesung begibt er sich wieder zurück zu der alten Position und betet wie gewohnt weiter. Nach dem Taslim wird dann Sujud as-Sahw verrichtet.]
  • Die Rak’aah, worin al-Fatihah vergessen wurde und man sie nicht mehr nachholen konnte (weil man bereits mit einer neuen Gebetseinheit angefangen hat) ist ungültig.
  • Falls man nicht mehr zum Rukn (das Lesen der Surat al-Fatihah) zurückkehren kann, weil man sich bereits in der darauffolgenden Rak’aah befindet, so ersetzt diese Rak’aah die ungültige, worin al-Fatihah ausgelassen wurde.
  • Wenn man Surah al-Fatihah oder andere Arkaan (Säulen) des Gebets unterlassen hat, so muss man Sujud as-Sahw (die Niederwerfung aufgrund der Vergesslichkeit) nach dem Taslim vollziehen. [Dies betrifft nur jene die Vorbeter sind oder alleine beten!]

Und Alles Lob gebührt Allaah

Ein Pflichtgebet: Versäumt, Verschlafen oder Vergessen

Frage: Wenn ich mehrere Pflichtgebete versäumt, verschlafen oder vergessen habe, wie muss ich diese versäumten nachbeten? Muss ich zuerst die verpassten Gebete verrichten und dann das Gebet in der aktuellen Zeit, oder andersherum?

Antwort: Du betest (zuerst) die (die du verpasst oder verschlafen hast), dann das Gebet in der aktuellen Zeit. Es ist nicht erlaubt, die Gebete hinauszuzögern. Unter den Menschen gibt es eine weit verbreitete ( Falsche) Meinung: nämlich, dass ein Mensch, der ein verpasstes Gebet am nächsten Tag, in der Zeit verrichten sollte, wie die Zeit des Gebets, die man verpasst hat.

Beispiel: Wenn jemand das Fajr-Gebet (aus Vergesslichkeit) nicht verrichtet, dann soll er warten bis die Zeit von Fajr des nächsten Tages eintritt (um dieses Gebet nachzuholen). Und dies ist falsch. Dies widerspricht der Rechtleitung des Propheten – (sall-llaahu ‚alahi wa sallam)  -, (sowohl der) Sunnah Qawliiyah (Aussagen) und der Sunnah Fi’liyah (Taten).

So ist es nachgewiesen, dass der Prophet – (sall-llaahu ‚alahi wa sallam) – sagte: „Wer das Gebet verschlafen oder vergessen hat, soll es (nach)beten,  sobald er sich daran erinnert.“ [an-Nasaa’i. In einem ähnlichen Wortlaut findet man ihn bei Muslim] Und er sagte nicht: „Er soll es am nächsten Tag (nach) beten, wenn die Zeit (des verpassten Gebets) eingetroffen ist“, sondern „sobald er sich daran erinnert“.

Und bezüglich (der Sunnah) Fi’liyah: So verstrichen die Gebete, eines Tages (bei der Schlacht) von al-Khandaq. So betete er (der Prophet) sie nach,  bevor die andere Gebetszeit eingetroffen war. Dies ist ein Beweis dafür, dass der Mensch die verpassten Gebete (zuerst) verrichtet, und dann die zur aktuellen Zeit. Wenn er unwissend und nichts weiß (bzgl. dieser Regelung), so ist sein Gebet dennoch gültig (wenn er zuerst das Gebet in der aktuellen Zeit und dann seine verpassten Gebete verrichtet). Dies (die Unwissenheit) ist ein Entschuldigungsgrund für ihn.

In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass die Regelung bezüglich der  (verpassten) Gebete in drei Kategorien unterteilt wird:

1.  Wenn der Entschuldigungsgrund nicht mehr vorhanden ist, muss man die verpassten Gebete (unverzüglich) nachbeten. Dies ist Wajib (Pflicht).

2. (Gebete) die nicht nachgeholt werden können, sondern für diese ein Ersatz geleistet werden muss, und dies ist (z.B. das Verpassen des) Freitagsgebet. Wenn jemand den Imam (beim Freitagsgebet) erst nach dem zweiten Aufrichten von der Beugung erwischt: So muss diese Person in diesem Fall das Dhuhur-Gebet verrichten, in dem er ins (Freitags)Gebet mit der Absicht Dhuhur zu verrichten eintritt und sein Gebet zu Ende verrichtet, wenn der Imam Taslim gemacht hat. Wenn er (aber) noch die zweite Beugung doch erreicht, bevor der Imam von ihr sich aufrichtet, so betet er das Freitagsgebet. Er verrichtet noch eine Gebetseinheit (dazu), nachdem der Imam den Taslim gesprochen hat.Und (bzgl. Dieser Regel) sind viele Menschen unwissend. Einige Menschen kommen zum Freitagsgebet, (während) der Imam aus der Beugung der zweiten Gebetseinheit sich aufrichtet und beten dann noch nach dem Taslim nur zwei Gebetseinheiten als Ersatz für das Freitagsgebet, wobei dies ein Fehler ist. Sobald der Imam sich von der Beugung der zweiten Gebetseinheit erhoben hat, hat jemand, (der nicht vorher am Gebet teilgenommen hat) das Freitagsgebet verpasst. Stattdessen muss er Dhuhur beten, aufgrund der Aussage des Prophet – sall-llaahu ‚alahi was-salaam -: „Wer eine eine Gebetseinheit vom Gebet erreicht, hat somit das (ganze) Gebet erreicht.“ [al-Bukhari #580 und Muslim #607] Dies bedeutet, dass jemand, der keine Gebetseinheit eines Gebets erreicht, nicht das ganze Gebet erreicht. Daher beten Frauen und Kranke, die nicht zum Freitagsgebet gehen können, zu Hause das Dhuhur-Gebet. Würden sie zu Hause das Freitagsgebet verrichten, würde das von ihnen nicht angenommen werden.

3. Das verpasste Gebet, das nur in einer Zeit nachgeholt werden kann, in der das Gebet hätte verrichtet werden sollen. Dies gilt z. B. für das ‚Id (Fest) Gebet. Die Leute des Wissens sind der Meinung, dass das verpasste ‚Idgebet am nächsten Tag, in der bestimmten Zeit nachgeholt werden soll, wenn die Leute das Gebet nicht verrichten konnten, weil sie von der Tatsache, dass an dem Tag ‚Id ist, zu spät erfahren haben (z. B. kurz vor Dhuhr).

So lässt sich der Schluss auf drei Abschnitte teilen:

Erstens: Das Nachholen des Gebets, wenn der Entschuldigungsgrund aufgehoben wurde, und dazu gehören die 5 Gebete, ebenso al-Witr Gebet und die Sunnan.

Zweitens: Das Verrichten eines Gebets, als Ersatz für das verpasste Gebet, wie Dhuhur für das Freitagsgebet, wenn man es versäumt hat.

Drittens: Das Nachholen des Gebets, wenn der Zawaal (die Zeit, wo die Sonne ihren Höhepunkt erreicht hat) erreicht ist, so betet man am nächsten Tag, in der selben Zeit (wie das ‚Id-Gebet).

Und bei Allaah liegt der Erfolg

Schaykh Ibn al-‚Uthaymin – Rahimahullaah – in seinem Werk ,,Fatawa Arkaan al-Islaam“, Nr. 209

Die Niederwerfung aufgrund der Vergesslichkeit (Sujud as-Sahw) – Ibn al-‚Uthaymin

بسم الله الرحمن الرحيم

Viele Leute sind unwissend hinsichtlich der Regelungen hinsichtlich des Sudschudu s-Sahw (Niederwerfung für Fehler im Gebet bzw. Vergesslichkeit) im Gebet. Manche unter ihnen verlassen Sudschudu s-Sahw, während sie dazu verpflichtet sind; andere vollziehen die Niederwerfung nicht an der richtigen Stelle; wiederum andere verrichten die Niederwerfung vor dem Salaam (am Ende des Gebetes), obwohl sie danach hätte verrichtet werden sollen; und andere machen dies nach dem Salaam, anstatt dies vor dem Salaam zu vollziehen. Weiterlesen als PDF….

Anmerkung: Bei dieser Abhandlung handelt es sich nur um eine gekürzte Version, daher verweise ich, falls Unklarheiten bestehen, auf das gedruckte Buch des Shaykh, mit dem Titel „Wenn man im Gebet vergisst„.

Die fünf Stufen des Gebetes – von Ibn al-Qayyim

بسم الله الرحمن الرحيم

Der Gelehrte Ibn al-Qayyim al-Dschauziya – möge Allaah sich seiner erbarmen – sagt: Und die Menschheit, ist im Bezug zur Verrichtung des Gebetes, in 5 Stufen einzuteilen:

Die Erste: Die Stufe dessen, der nachlässig ist und seiner Seele unrecht tut: Er ist derjenige, der sein Wudu (Gebetswaschung), die Gebetszeiten im Rahmen ihrer gesetzten Fristen und die Einbeziehung der wesentlichen Säulen vernachlässigt.

Die Zweite: Derjenige, der darauf achtet seine Gebete zur richtigen Zeit und im Rahmen ihrer gesetzten Fristen zu erfüllen, der die wesentlichen Säulen erfüllt und sein Wudu mit Sorgfalt verrichtet. Allerdings geht sein Streben dadurch verloren, dass er Einflüsterungen in seinem Gebet hat. So wird er von Gedanken und Ideen abgelenkt.

Die Dritte: Derjenige, der darauf achtet seine Gebete im Rahmen ihrer gesetzten Fristen zu erfüllen, der die wesentlichen Säulen erfüllt und sich bemüht die Einflüsterungen, Gedanken und Ideen zu vertreiben. Er ist beschäftigt mit dem Kampf gegen den Feind (Schaytan), so das er nichts aus dem Gebets stehlen kann. Aufgrund dessen ist er zweifach beschäftigt, mit dem Gebet und mit dem Jihad.

Die Vierte: Derjenige der im Gebet steht, die Rechte (des Gebets) sowie seine wesentlichen Säulen vervollständigt und perfektioniert, es im Rahmen seiner gesetzten Fristen verrichtet und sein Herz ist vertieft und überwacht die Wahrung der Rechte und gesetzten Fristen (des Gebetes), so das nichts davon verloren geht. Seine ganze Sorge richtet sich auf die Verrichtung, seine Vollendung und seine Perfektion, ebenso wie es sein soll. Sein Herz ist im Gebet versunken und in Versklavung zu seinem HERRN, dem Allmächtigen.

Die Fünfte: Derjenige, der im Gebet steht, wie der oben genannte. Doch zu Anbeginn, nahm er sein Herz und legte es vor seinen Herrn (عز وجل) und schaut mit seinem Herzen zu Ihm auf, voller Vorfreude, dieses Herz ist erfüllt mit Seiner Liebe und Seiner Kraft, als ob er Allah sehen und (Seine Gegenwart) bezeugen könnte.Die Einflüsterungen Gedanken und Ideen sind verschwunden und die Schleier zwischen ihm und seinem Herrn sind angehoben.Was ist der Unterschied zwischen dieser Person und anderen im Bezug zum Gebet? Es ist besser und größer als das, was zwischen den Himmeln und der Erde ist. Diese Person ist mit ihrem Herrn beschäftigt (عز وجل) und voll zufrieden mit Ihm.

Die erste Stufe wird bestraft werden, die zweite Stufe wird zur Rechenschaft gezogen, die Dritte wird ihre Sünden und Mängel (durch das Gebet) gesühnt haben, die Vierte wird (darüber hinaus) belohnt werden und die Fünfte wird seinem Herrn nahe stehen, denn seine Freude und Wonne lag im Gebet. Und wer auch immer sein Gebet zu seiner Freude und Wonne im Diesseits macht, der macht sich auch die Nähe zu seinem Herrn im Diesseits zur Freude und Wonne. Darüber hinaus wird er aber auch ein Vergnügen für die Leute dieser Welt sein, denn wer auch immer Allah zu seinem Vergnügen in dieser Welt macht, für den werden die Leute ebenfalls Freude und Vergnügen empfinden.

Also, auf welcher Stufe bist du?

(Auszug aus: Ibn al-Qayyim / al-Wabil al-Sayyib)